Weiß in Weiß am Malojapass

Wir haben noch 3 wunderbare Tage in Serfaus, mal mit Sonne, mal mit Schneefall, mal auf Buckelpiste, mal im Tiefschnee.

Uwe nimmt auch die steilste Abfahrt mit völliger Gelassenheit und performt lässige Sprünge im feinsten Powder.

Ferdinand verschläft die Hälfte des Tages in seinem warmen Schlafsack und steckt nur sein Näschen heraus.

Luise ist unglaublich stolz, dass sie inzwischen den „Babyhang“ trotz unfreiwilliger Kurven ohne Hinfallen hinunter rutschen kann und sogar mit Papa einmal auf die große Piste darf. Die strahlende Sonne stört sie zwar sehr (einen Schuldigen muss es ja immer geben), doch es gibt nichts, was nicht mit einer Portion Pommes motiviert werden könnte.

Und dann gewinnt Luise am letzten Tag auch noch das Wettrennen gegen ihr großes Vorbild Christian P.! Mit einem guten Gefühl können wir nun also die Skipiste hinter uns lassen.

Am Freitag stürmt es im Skigebiet derart, dass die Hälfte der Lifte am Mittag schließen muss. Wir fahren mit Sack und Pack ins Tal und müssen im Bulli feststellen, dass die „Garage“ wohl doch nicht so kältesicher war und nun neben der wieder eingefrorenen Zahnpasta auch alle Äpfel, zwei Gurken, Shampoo, Hipp-Gläschen und ein Liter Wein im Tetrapack vereist sind. Im Laufe der Fahrt gibt es jetzt überall kleine Pfützen, während die Sachen langsam wieder auftauen.

Die Straßen im Tal sind zum Glück schneefrei und wir sausen in Richtung Schweizer Grenze. Meine Hassliebe zur Schweiz wird gleich einmal wieder befeuert, in dem es exakt nach der Zollstation fürchterlich beginnt, zu schneien. Brav befolgen wir die mehrmaligen Warnschilder, dringend eine Vignette zu kaufen, in der Hoffnung, auf einer geräumten Autobahn gen Italien zu schaukeln.

Leider führt aber gar keine Autobahn zum Malojapass. Trotz Vignette müssen wir auf vereisten und immer verschneiteren Landstraßen unser Glück versuchen. Mit flauem Gefühl im Magen beobachten wir links und rechts zunehmend Fahrzeuge am Straßenrand, deren Insassen hektisch versuchen, (wohl das erste mal im Leben) Schneeketten anzulegen.

Inzwischen sieht man von der Straße gar nichts mehr. Wir fühlen uns ein bisschen wie auf der Skipiste, die nur von spärlichen Holzstangen markiert wird.

Das Schneetreiben hört nicht auf, wir kriechen im Schneckentempo voran und hoffen auf die Qualität unserer Winterreifen. St. Moritz scheint einfach nicht näher zu kommen. Als wir endlich, endlich den Malojapass erreichen lenkt Uwe sehr virtuos den VW-Bus mit Überlänge die Haarnadelkurven im Tiefschnee auf die italienische Seite hinunter. Endlich taucht auch mal ein Räumfahrzeug auf.

Nun geht es etwas leichter nach Italien hinunter. Es schneit zwar ununterbrochen weiter, aber die Aussicht auf Espresso, italienische Kultur und ein kleines stilvolles Altstadthotel am See scheint den Schnee geradezu wegzuschmelzen.

Am Comer See führen uns schützende Tunnel bis an den südlichen Zipfel nach Lecco. Erleichtert klopfen wir dem Bulli dankbar auf die weiße Motorhaube und tauchen ins italienische Flair ein, das trotz des Schnees so anmutig und wunderschön ist, das bei uns eine kleine Hochstimmung aufkommt.

Als wir am nächsten Morgen andächtig aus dem Fenster sehen, sieht die Welt gleich ganz anders aus.

Wir schlendern noch eine Weile durch die gemütlichen Gassen Leccos, das so wunderbar zwischen Bergen und Comer See eingebettet liegt, bevor wir uns weiter auf den Weg gen Süden machen.