Unsere Fahrt von Lecco nach Süden führt uns durch die verschneite italienische Landschaft der Poebene bis ans Mittelmeer, wo von einem Tunnel auf den anderen mit einem Schlag ein völlig anderes Klima herrscht. Die Küstenstraße klebt mit phänomenalen Aussichten oberhalb der Steilküste am Berg und wir fühlen uns wie James Bond, der mit seinem Aston Martin und einer schnuckeligen Mieze auf dem Beifahrersitz an der Côte d’Azur entlang kurvt.
Unser heutiges Ziel heißt Nizza. Eine der am dichtesten bebauten Städte Europas mit den engsten Straßen. Stellplätze gibt es logischerweise überhaupt nicht. Todesmutig wagen wir uns mit dem VW-Bus in die Innenstadt und vertrauen Google Maps. Es scheinen ausschließlich Fahrzeuge in Miniaturformat unterwegs zu sein. Unser Bulli sieht aus wie ein Mammut zwischen all den Renault Clios, Fiat Pandas und Mopeds. Überall Einbahnstraßen, gesperrte Ausfahrten und unerwartete Baustellen. Je weiter wir uns dem Zentrum nähern, desto kleiner werden die Straßen. Besorgt versuchen wir, in dem Chaos niemanden umzufahren. Dennoch glotzen alle Verkehrsteilnehmer direkt auf unser Kennzeichen und schütteln demonstrativ den Kopf. Leider müssen wir schließlich feststellen, dass unser Hotel in einer Fußgängerzone liegt. Wir steuern mühevoll das nächst gelegene Parkhaus an. Unser Bus überschreitet allerdings die Maximalhöhe von 1,90m und wir müssen ein aufwändiges Wendemanöver einleiten. Da gegen 16 Uhr offenbar alle Bars und Hotels mit neuen Getränken beliefert werden, versperren uns zahlreiche Lieferwagen, die es auch nur knapp zum Ziel geschafft haben, den Weg. Die erlösende Ampel steht seit 10 Minuten auf Rot. Offenbar kaputt. Laut gestikulierende Franzosen rufen Ordnungshüter herbei, die auch nur mit den Achseln zucken und alle Fahrzeuge durch die verkehrsberuhigte Shoppingmeile schicken. Als daraufhin die spazierenden Nizzaer mit ihren Einkaufstüten empört und verärgert auf unseren Bulli klopfen, entfernen wir uns schleunigst von der Innenstadt und suchen das am weitesten entfernte, dafür aber in der Höhe ausreichende Parkhaus am Bahnhof, um unseren VW-Bus für läppische 50€ zwei Nächte lang abzustellen.
Auf dem Weg ins Hotel erwischt uns ein Regenguss, der sich gewaschen hat. Tropfnass beziehen wir unser Zimmerchen und hinterlassen grosse Wasserlachen im Empfangsbereich.

Für den nächsten Tag haben wir große Pläne und beginnen mit Bildender Kunst. Geschwind tragen und schieben wir den Kinderwagen den „Museums-Hügel“ hinauf und stehen Punkt 10 Uhr am Eingangstor des wunderschönen Chagall-Hauses.


Luise ist begeistert und zeigt alles ihrer „Elsa“, die nun genauestens über Chagalls Engel, fliegende Pferde und geigende Landstreicher Bescheid weiß.

Geflasht von der Farbkraft und Intensität Chagalls wanken wir ins Zentrum Nizzas zurück, um noch ein weiteres Museum zu besuchen.
Die Architektur des MAMAC (Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain) hat Uwe schon beim Lesen des Reiseführers neugierig gemacht.

In jeder Etage kaum zu übersehen, dass Yves Klein hier sein berühmtes „monochromes Blau“ das erste mal ausgestellt hat.

Ganz oben angekommen ist der Blick von der verwinkelten Dachterrasse über die Dächer von Nizza unbeschreiblich schön.

Als Hannoveraner sind wir natürlich besonders stolz, dass uns „Niki de Saint Phalle“ bestens vertraut ist. Sogar Luise erkennt die „dicken Frauen“ wieder.


Für Luise ist moderne Kunst jedenfalls noch viel interessanter und lustiger, als realistische, bildhafte Gemälde. Und es kommt nicht ständig ein Museumswärter angerannt, der Angst um seine Ausstellungsstücke hat. 
Ferdinand hat fast den ganzen Tag verschlafen. Als wir am späten Nachmittag äußerst geschafft im Hotel landen, fährt er bis zum späten Abend zu Höchstform auf. 
Am nächsten Tag scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel und wir begeben uns nach einem sehr „Petit Dejeuner“ auf dem sonnigen Place Masséna ans Meer.

Hier wandeln wir umgeben von Joggern, Segway-Touristen, Kinderwagen schiebenden Müttern und ausgewählt gekleideten Rentnern den „Boulevard Anglais“ entlang.
Die strahlende Sonne wärmt alle Gemüter. Überall gute Laune und freundliche Gesichter. Die windgeschützte Bucht, die alten Häuser Nizzas und die schneebedeckten Berge im Hintergrund sind an Schönheit kaum zu übertreffen.

Das Meer leuchtet so verlockend türkis, dass Luise ständig quengelt, endlich baden gehen zu dürfen. Immerhin ist auch schon ein einsamer Taucher (im Neoprenanzug) unterwegs.

Nur mit Mühe können wir uns von diesem Anblick losreißen, denn wir wollen heute mit dem VW-Bus noch ein ganzes Stückchen weiter an der Mittelmeerküste kommen.
