Am Leuchtturm in der Camargue

Nun endlich steht unsere erste Übernachtung im VW-Bus bevor! Von Nizza aus fahren wir 2 Stunden nach Westen bis an einen kleinen Hafen, Port Carro. Hier soll es einen hübschen Stellplatz geben. Wir sind sehr gespannt. Tatsächlich landen wir auf einem großen Parkplatz direkt am Meer. Nun, wenn man sich ganz vorn an die Mauer mit Blick aufs Wasser stellt, dann sieht man den ganzen Asphalt ja nicht… in der Hauptsaison will ich mir den Platz allerdings nicht vorstellen.

Als wir die Heckklappe des Bullis öffnen, fällt uns erstmal die Hälfte unseres Gepäcks entgegen und wir breiten uns über mindestens 4 Parzellen aus. Glücklicher Weise stehen nur noch eine Handvoll weitere Wohnmobile (allesamt riesig) über den Platz verteilt und wir kommen uns weder akustisch, noch räumlich ins Gehege.

Die Sicht aufs Wasser mit dem Leuchtturm am gegenüberliegenden Ufer ist großartig, allerdings wird es bald so kalt, dass wir uns in unsere vier Wände zurück ziehen müssen. Und das ist mit zwei kleinen Kindern wirklich eine Herausforderung.

Wir müssen es möglichst ohne akrobatische Verrenkungen irgendwie schaffen, zu viert auf 2qm zu sitzen, zu kochen, einen Tisch aufzustellen, zu essen, abzuwaschen, unsere Mikro-Toilette zu stationieren, die Rückbank zum Schlafen umzuklappen (wegen der Kälte benutzen wir das Klappdach nicht), Zähne zu putzen, Luises Matratze über den Vordersitzen zu befestigen, die Isolationsmatten an den Fenstern anzubringen und dann ohne kalte Füße die Nacht zu verbringen.

Wir schlafen herrlich und der Sonnenaufgang entschädigt für alle Anstrengungen. Mit Luise und Ferdinand gehts schon 8 Uhr in der kalten Morgenluft zum Bäcker im Hafen, das lang versprochene Croissant holen.

Heute will Uwe endlich mal „System in den Bus“ bringen und räumt von Grund auf noch einmal alles aus und wieder ein. Bin ich dankbar, dass ich mich nicht um Gasflaschen, Kühlbox-Anschlüsse, Solar-Panels und Wasserpumpen kümmern muss.

Luise spielt selbstvergessen stundenlang am Meer und ist völlig eins mit sich und der Welt.

In der Sonne wird es mittags richtig warm und uns ruft der Leuchtturm in der gegenüberliegenden Bucht wie ein lockender Zeigefinger.

Wir brechen zu einer ausgedehnten Wanderung auf und kommen an wunderschönen Badebuchten und zerklüfteten Steilufern vorbei.

Kaum eine Menschenseele ist in dieser Jahreszeit unterwegs, man trifft nur ein paar Fischer im Hafen oder einsame Hundebesitzer, die von ihren hektischen Terriern über die Pfade am Strand gezogen werden.

Wir haben nach anderthalb Stunden den Leuchtturm erreicht und Luise ist alles allein gelaufen, aus vollem Halse Weihnachtslieder singend. Kein Wunder, dass wir so keinem einzigen wilden Tier oder Vogel begegnen…

Auf dem Rückweg durch den Hafen scheint die Abendsonne so wunderbar, dass wir verzückt inne halten und erst zum Sonnenuntergang wieder am Bulli ankommen.

Gerade als durch unsere Seitenscheiben das letzte Rosa des Abendhimmels leuchtet, verdunkelt sich mit einem mal das Fenster. Als hätte jemand den Bildschirm ausgeschaltet. Ein riesiger grauer Berg schiebt sich direkt neben uns auf den Parkplatz. Völlig entgeistert springt Uwe aus dem Bulli. Fassungslos beobachten wir, wie ein knapp 9m langer Trumm von Wohnmobil, ein Kreuzfahrtschiff auf Rädern, doppelt so hoch wie unser Bus, mit integrierter Heckgarage für den kleinen Zweitwagen, exakt 1,50 m neben uns einparkt. Wir sehen uns um: der restliche Stellplatz ist quasi leer. Auf die Bitte, er möge doch ein bisschen Abstand zu uns halten, antwortet der Besitzer knapp, dass von genau hier aus der Sonnenaufgang am besten zu sehen sei.

Wir rücken schlussendlich etwas beiseite und beschließen, die größeren Stellplätze auf unserer weiteren Reise nach Südwesten zu vermeiden. Einen spartanischen VW-Bus scheint hier ohnehin niemand in die Kategorie „Wohnmobil“ einzuordnen.