Das mit Abstand Komplizierteste bei jedem Stadtbesuch ist definitiv die Anfahrt und die Frage, wohin mit dem Auto. So auch hier in València. Nach einer langen Autofahrt sind wir völlig k.O. als wir in der spanischen Großstadt ankommen. Die kleine Pension, die auf uns wartet, liegt wie immer malerisch in der Fußgängerzone mitten in der historischen Altstadt. Die von der Vermieterin empfohlene Tiefgarage in der Nähe misst trotz mehrmaliger Nachfrage leider doch nur 1,90m. Mit müden und heulenden Kindern auf der Rückbank fahren wir in unserer Verzweiflung scheinbar immer im Kreis, gegen Einbahnstraßen und über Bushaltestellen.
Irgendwann entdecken wir eine in der Höhe geradeso ausreichende Tiefgarage (leider überhaupt nicht in der Nähe unserer Unterkunft) und zwängen uns hinein. Der Versuch, hier in die einzig freie Lücke auf Deck -4 (!) einzuschleusen, lässt unseren Puls mehrmals gefährlich in die Höhe schnellen. Auf engstem Raum bei schlechtester Abgasluft versuchen wir bei nur halb geöffneter Heckklappe die wichtigsten Sachen für die nächsten 2 Tage zusammen zu suchen. Tapfer halten die Kinder aus.

Wir versprechen uns gegenseitig, auf der folgenden Reise NIE WIEDER eine Tiefgarage zu betreten und laufen inzwischen im Dunkeln durch die freundlich beleuchtete Stadt zu unserer Wohnung.
Am späteren Abend (die meisten Lokale öffnen erst 20:30 Uhr) können wir uns zwischen den gemütlichen Bars und Restaurants kaum entscheiden. Schließlich landen wir auf einem mit „Happy Valentine“ bunt geschmückten Hinterhof. Obwohl wir alle Zeremonien um den Valentinstag äußerst kitschig finden und sonst tunlich vermeiden, gibt es zur Feier des Tages Lobster (Hummer). Die Gerätschaften, die man dazu bekommt, könnten auch aus der Chirurgie stammen und wir googeln heimlich unterm Tisch, wie man sie richtig einsetzt.

Am nächsten Morgen verlangt Luise bereits um 7 Uhr nach einem Frühstück. Glücklicherweise wohnen wir ganz in der Nähe der großen Markthalle.

In der morgendlichen Kälte laufen wir durchs noch völlig verschlafene València und werden beim Öffnen der Tore von der Vielfalt und Intensität der Marktstände unter der imposanten Glaskuppel schier erdrückt.


Bei all den Früchten, Fischen, Würsten, Säften, Käseständen und Gebäckverkäufern gehen einem die Augen über und wir sammeln uns ein hübsches Frühstück zusammen.

Luise (und ihrer Meinung nach auch Ferdinand) wünschen sich nichts sehnlicher als Erdbeeren. Das gibt eine ordentliche Sauerei, aber danach sind beide zufrieden und satt.

Wir tauchen in die spanische Lebenslust und Leichtigkeit Valèncias ein, die den Charme der Stadt ausmacht. Überall kleine Bars und Plätze, verstreute Mauerreste und historische Stadttore, man wechselt zwischen mittelalterlichen Gebäuden, wie der „Seidenbörse“, mit Orangenbäumchen davor und herrschaftlichen Alleen, die wohl erst im 19 Jh. angelegt wurden.

Eine Spezies treffen wir besonders oft, die wir in Nordspanien ganz vergebens gesucht haben: den deutschen Touristen. Auf wirklich jedem Platz unterm Sonnenschirm (obwohl es bedeckt ist), in funktionaler Outdoorkluft sitzt von Weitem bereits gut erkennbar ein deutsches Rentnerpaar oder eine vierköpfige Familie auf (Schul-)Ferienreise mit einer großen Pfanne Paella vor der Nase.
Uwe möchte da lieber nicht mitmachen und unterhält sich auf seine Weise mit den Einheimischen, die natürlich auch nur auf Touristenfang aus sind…
Trotz diesen musikalischen Genusses möchte Uwe das selbst gebaute Saxophon dieses begnadeten Bastlers zum Schnäppchenpreis von 30€ doch nicht haben.
Vom vielen Herumlaufen sind wir am frühen Abend so müde, dass wir uns in unser Apartment zurückziehen und mal wieder einen großen Berg Wäsche waschen.
Am nächsten Tag wollen wir noch das eigentliche Highlight Valèncias besuchen: das zweitgrößte Aquarium der Welt, das „Oceanografic“, im neu angelegten Kultur- und Wissenschaftsareal am südöstlichen Ende der Stadt.

Die Architektur ist wirklich spektakulär, obwohl wir uns jetzt nicht so wahnsinnig für Fische interessieren.

Luise gruselt sich ein bisschen in den dunklen Aquarien, die in erster Linie unterirdisch angelegt wurden und hängt die ganze Zeit an meinem Rockzipfel. Klar, man läuft ja nicht jeden Tag unter Haien und Walen herum.


Gegen Nachmittag häufen sich die Besucher und selbst vor recht gewöhnlichen “Feuchtbiotopen Mitteleuropas” bilden sich lange Schlangen. Wir bevorzugen da lieber den Blick nach oben.

Insgesamt gefallen mir die schön-schaurigen Quallen, die hier spektakulär in Szene gesetzt werden, am besten.


Am Ende des mehrstündigen Besuches sind wir ganz schön geplättet und beschließen, gleich zum nahe gelegenen Strand zu fahren und dort auf einem derzeit unbenutzten Festivalgelände im Bulli zu übernachten. Der Platz ist gut bestückt mit deutschen Rentnern und nicht so recht heimelig, aber immerhin direkt am Meer. Und Strand und Wasser sind immer entspannt mit kleinen Kindern.

Uwe brät heute Burger im Freien mit Blick aufs Meer und beschließt, im nächsten Leben (oder wenn er in Rente geht) Freiluftkoch zu werden.
